[Ralf Ahlers] [Neue Strasse 8] [DE-38533 Vordorf]

BMW R nineT 2020 -

BMW Rnine T

Die Entscheidung, mir ein zweites Motorrad zu kaufen, habe ich mir nicht leicht, um nicht zu sagen, besonders schwer gemacht. Die Gründe dafür sind mannigfaltig und aus meiner Sicht plausibel und nachvollziehbar dargelegt. Manch anderer würde es vielleicht Ausreden nennen. Als eher strategisch, denn emotional ausgerichteter Mittfünfziger, suche ich – so lange ich denken kann - für alles einen Nutzen und tieferen Sinn, den ich hier auf Anhieb leider nicht finden konnte, egal wie sehr ich mich auch angestrengt habe. Mit einem „einfach nur so“, hatte schon ich schon immer Schwierigkeiten.

 BMW R nineT

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Ich habe ein zeitlich ausgefülltes Privatleben auch ohne die Berufstätigkeit, eine BMW R 1200 / 1250 GS, die ich verehre wie keine andere Maschine vorher (aber trotzdem die meiste Bewegung nur während meiner Motorradreisen erfährt) und schließlich eine überschaubare Restfreizeit. Augenscheinlich, nein faktisch, fehlt mir die zusätzliche Zeit, um ein zweites Motorrad auch angemessen zu bewegen und meine Begeisterung daraus zu ziehen. Ein Motorrad zu besitzen, nur um mein Ego zu streicheln, oder nach unzureichender Nutzung wieder zu verkaufen, ist nicht mein Ding. Aufwand, Nachhaltigkeit und Wertverlust sind, neben anderen Verschwendungsarten, keine Alternative für mich.

BMW RnineT

Aber was ist jetzt passiert?

Seit dem Erscheinen der BMW R nineT und deren Ableger Ende des Jahres 2013, hat mich dieses Motorrad emotional total angefixt. Ich hatte seitdem immer ein Augenmerk auf die Weiterentwicklung der Modellpalette, war aber angesichts der in meinem Besitz befindlichen R 1200 GS Rallye, nie wirklich in Wechsellaune. Meine Argumentation dazu, habe ich ja am Anfang dieses Beitrags schon erklärt.

Dem Pressetext der BMW – Group konnte man damals folgendes, Statement entnehmen:

Die BMW R nineT ‒ Essenz aus 90 Jahren BMW Motorrad Faszination. Puristisch, kraftvoll und unverkleidet präsentiert sich anlässlich des Jubiläums „90 Jahre BMW Motorrad“ die BMW R nineT. Den urwüchsigen Charakter des Boxer-Motors und die Formensprache verschiedener Motorradepochen vereint sie mit innovativer Technik und einem modularen Konzept, das dem Fahrer ein Höchstmaß an Individualisierungsmöglichkeiten bietet. Ganz auf das Wesentliche reduziert, begeistert die BMW R nineT – oder kurz nineT – zudem mit Manufaktur-Charakter und einer starken emotionalen Ansprache. Der klassische Roadster entspricht mit seinem Konzept dem Wunsch vieler Motorradfans nach unverfälschter und stressfreier Freude am Motorradfahren. Dabei standen gerade bei der Designentwicklung der nineT auch Begriffe wie „puristische Einfachheit“, „Emotion“ und „echte, traditionelle Werkstoffe“ ganz oben auf der Agenda. Stil prägende Elemente des Motorradbaus alter Schule verbinden sich bei der nineT daher mit hochmodernen Antriebs- und Fahrwerkskomponenten zu einem begeisternden Motorrad, das sowohl zum entspannten Cruisen als auch zur sportlich-dynamischen Landstraßenfahrt einlädt.

So weit, so gut. Mit der Vorstellung der neuen Modell- und Farbpalette für 2019, im Herbst des Jahres 2018, bin ich im wahrsten Sinne des Wortes ausgeflippt, nein, ich hatte Schnappatmungen. Die offizielle Vorstellung der R nineT als „Option 719“, in den Farben Marsrot metallic matt / Cosmicblue metallic matt (Tank, Höcker und Vorderradkotflügel) war unvorstellbar emotional und hat mich von dem Moment an nicht mehr losgelassen. Ein so wunderschönes, kompaktes, stark polarisierendes und mit dem Boxer als Antriebsquelle wirkendes Motorrad, hatte ich lange nicht gesehen. Niedrig, schlank, auf ein Minimum reduziert, von der Fachpresse seit Jahren gelobt, mit Sitzhöcker und wechselbarer Ein- Personen Zulassung. Ich musste dieses Motorrad besitzen, unbedingt. Aber nicht sofort und vor allem nicht heute… :-)

BMW RnineT  BMW RnineT

Von der Vorstellung MEINER R nineT bis zum tatsächlichen Vollzug sind weitere eineinhalb Jahre verstrichen. Mir war klar, dass ich diese Maschine, wenn sie in meinen Besitz übergeht, unbedingt länger behalten möchte als alle anderen Motorräder, die ich bisher besessen habe. Im September des Jahres 2020 habe ich dann den letzten möglichen Schritt getan. Ich habe nach endlos langen Recherchen endlich zugegriffen. Viele Monate lang hatte ich mir Benachrichtigungsfunktionen gängiger Motorrad – Verkaufsportale aktiviert, um mir das scheinbar beste Angebot zu sichern. Das scheinbar beste Angebot erhielt ich schlussendlich in Frankfurt von privater Hand.

Auch diese BMW war, wie viele andere im Internet auch, eine der Maschinen, die man anscheinend nur besitzen wollte, aber gefahren hat man sie nicht. Der Verkauf war für den ehemaligen Besitzer anscheinend sehr schmerzhaft und emotional, zumindest hat er so getan. Grauenhaft! Als ich sie übernommen habe, war sie nicht besonders sorgfältig geputzt und die paar Kilometer sind faktisch kein Beweis für ein Motorrad, welches ich gerne besessen habe und auch genau so gerne gefahren habe...

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Aber jeder tickt halt anders. Für den einen ist der Besitz schon die größte aller möglichen Glückseeligkeiten, für den anderen das Fahren des besten Stücks. Egal, in meiner kurzen Zeit bis zum Ende des Saisonkennzeichens, Ende Oktober, habe ich mehr Kilometer zurückgelegt als der Vorbesitzer in etwas mehr als einem Jahr. Gekauft habe ich sie mit 1.700 Kilometern auf dem Tacho, in die Wintergarage habe ich sie mit 3.700 Kilometern geschoben. Als ich die Maschine das erste Mal zur Probe gefahren habe, hat mich neben der Optik die Tatsache begeistert, beim gemütlichen Fahren mit der linken Hand den Asphalt berühren zu können!! Die Maschine ist extrem kompakt, ohne mich in eine sportliche Haltung zu zwingen. Und der Sound? Hammer! Das sonore blubbern der Acrapovic - Doppelauspuffanlage verleitet mich zu extrem untertouriger und gemütlicher Fahrweise. Außerdem möchte ich "gesehen werden". Nicht um meiner selbst willen, sondern weil jeder die Zeit erhalten sollte, diesem tollen Motorrad einmal hinterherschauen zu können.

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Ja, vielleicht bin ich mit meinen 1,90mtr. ein wenig zu groß und sehr wahrscheinlich ist die Sitzbank nicht besonders üppig gepolstert, oder bequem auf langen Touren. Und natürlich fehlt der Windschutz und andere gewohnte Gimmicks. Aber es ist bei diesem Motorrad völlig egal. Dieses Motorrad ist eine rein emotionale Entscheidung und hat mit rationaler Herangehensweise nichts zu tun. Die zur Verfügung stehende Zeit hat ausgereicht, um mir ein Urteil zu möglichen Verbesserungen zu erlauben, die ich auch gleich umgesetzt habe:

  1. Der Heckrahmen für den Soziusbetrieb wurde nach einer Probefahrt mit meiner lieben Ehefrau gleich demontiert. Sie kann hinten nicht so gut sitzen und ich möchte auf meinem Motorrad nur alleine fahren! Also weg damit, schließlich haben wir noch die GS.
  2. Eine Lenkererhöhung 30/20 wurde auch gleich motiert, denn gebückt ist akzeptiert, zu extrem aber auch nicht.
  3. Ein gebürstetes Aluminium - Windschild habe ich mir dann auch noch gegönnt. Ich habe mir das aber nicht gekauft um den Wind abzuhalten, sondern um den klassischen Charakter ein wenig zu erhöhen. Wenn es vor dem Fahrtwind schützt ist es o.k., aber nicht relevant für eine Beurteilung.
  4. Das Fahrzeugheck wurde gegen einen Umbau der Firma WUNDERLICH getauscht. Das Nummernschild ist zwar immer noch mittig angeordnet, aber viel näher am Ende des Motorrades angebracht. Zusätzlich wurde das serienmäßige Rück / Bremslicht gegen einen schmalen LED - Streifen getauscht. 

Weitere Veränderungen sind gedanklich schon durchgespielt und werden sicherlich Stück für Stück realisiert. Aber das liegt in der (nahen) Zukunft... Nicht alles was auf dem Markt als passend angepriesen wird, ist es dann auch. Der Grundgedanke eines Roadsters im Sinne der nineT ist ja die schlanke, minimalistische Ausstrahlung. Im Grunde genommen besteht die große Kunst jetzt darin Teile TÜV konform zu verändern bzw. abzubauen, anstatt immer neue Teile zu montieren. Die grundlegendsten Veränderungen wird man diesbezüglich wohl nur mit einer Radikalkur erreichen. Die eingeschränkte Alltagstauglichkeit ist dann u.U. in Kauf zu nehmen. Aber so weit soll es bei mir ja nicht gehen.

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Seit dreiunddreißig Jahren fahre ich unfallfrei und leidenschaftlich Motorrad. Ein paar Maschinen hatte ich schon in meinem Besitz, die letzten Jahre ausschließlich die Marke BMW. BMW hat sich ganz phantastisch entwickelt und hat vieles richtig gemacht. Einen tollen Händler an meiner Seite, eine tolle Marke und eine reibungslose Nutzung der Maschinen hat mich zu einem großen Fan gemacht. Mit dem Kauf der RnineT hat sich mein Empfinden für echtes und leidenschaftliches Motorrad fahren aber noch einmal deutlich erhöht.

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Das ganze Motorradjahr 2020 war ausschließlich geprägt von der puren Lust am Fahren. Ich hatte mir ganz fest vorgenommen nur noch Motorrad zu fahren, wenn ich den Genuss als oberste Prämisse realisieren kann. Es war ein hehres Ziel, welches ich noch nie so gut praktizieren konnte wie in diesem Jahr. Es war eines der ganz tollen Jahre für mich, mein Ego und den Kilometerzähler des Motorrades. Und weil ich ich bis heute - einige Wochen nach der Motorradsaison 2020 - immer noch ganz beseelt bin ob der Erlebnisse, muss ich zwingend die Geschichte dazu erzählen...

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